Thesis

#ParadeCréole* (Artistic Dress) basiert auf meiner Forschung zum „Eigenkleid der Frau“, einer 1903 von Anna Muthesius veröffentlicht wegweisende Text für die Entwicklung des Kleides des frühen 20. Jahrhunderts, der mit der ‘Artistic Dress’ Bewegung in Verbindung gebracht wird. 

Entwurf Einteiler mit ‘I Come Fuh Dis Wuk’ c.FB20

Artistic Dress beschreibt Kleidung für den täglichen Gebrauch, die nach den Prinzipien der zeitgenössischen Kunst entworfen wurde. Diese Künstlerkleidung sollte herausfordern und als Kunstwerk an sich betrachtet werden. Die Bewegung war auch politisch in ihren Zielen und Teil umfassenderer gesellschaftlicher Bestrebungen, Frauen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich zu befreien. 

Indem ich ‘Artistic Dress’ für mich und bis zu vier andere ‘kreole’ Kreativen entwürfe, lade ich mein Netzwerk von Akteuren ein, mit über Gender-Performance, Rekontextualisierung, Work-at-Home Problematik, Migrationsphänomene uvm. zu diskutieren. 

Relevanz

Das Phänomen der digitale internationale Vernetzung will ich mit dem Hashtag #paradecreole festhalten und vorantreiben. Bei der Nutzung des Hashtags, wird das Netzwerk vergrößert. 

Kreativen mit Migrationshintergründen sind besonders getroffen in Corona-zeiten, wann Reisen zurück in eine oder das andere ‘Heimat’ untersagt oder gar verboten sind. Man fühlt sich ‘vertrieben’, hat Heimweh. Ein praktisches Bedürfnis womit man seine mentale Gesundheit pflegen kann ist Arbeits-, Ausstellungs- und Performance-kleidung mitzugestalten, um das eigene Kontext als relevante Kreative, die ‘nach außen lebt’, zu unterstreichen.

Entwurf Malkittel mit Großem Fechterschnecke c.FB20

Form

Mein ‘Artistic Dress’ ist ein Uniform für die o.g. Kreative, die aus zwei Teilen besteht -‘Workwear’ – ein einfacher Einteiler aus Leinen oder Wolle und aus ‘Formalwear’ – ein aufwändiges, besticktes Element wie eine Weste, ein Umhang oder breite Bänder. Der Einteiler ist für alle Künstler das gleiche Modell, aber das darüber hinzugefügte Gewand – was ihn vervollständigt – ist ein individuell angepasstes Kreation. In Zusammenarbeit mit anderen Kreativen werde ich das Teil konzipieren. 

Der Prototyp wird für mich als Maler und Forscher erstellt. Der Einteiler sollte maßgeschneidert und aus eco-Stoffe sein. Gestickte ‘Patchs’ werden auf ein Netz gelegt, das auf die Form dieses Elements genäht ist. Dafür dienen Motive aus meinen künstlerischen Arbeiten. 

Entwurf Malkittel mit Schwimmenden Jungs, nach Nadia Huggins’ Circa No Future

Umsetzung

Die Näherin Lou Ripoll aus dem Atelier Blue Tango– die ähnliche Projekte macht, und zu mir ins Atelier kommen soll- wird der Prototyp und die andere Stücke schneidern und nähen. Ich werde die Patchs sticken. Es gibt keine stehende Stickrahmen zu mieten, und das Sticken wird vorauss. Monaten dauern, daher muss ich einen kaufen. 

Ausstellung 

Die (max.) 5 fertige Künstlerkleider werden mit Proben, Entwürfe, Texte und Interviews ausgestellt. Dafür habe ich 2 Wochen im Raum ‘Pop-up Pavillon’ in Kiel beantragt. Ich bin an jedem tag für die 2 Wochen vorort, um mich in dem Kleid zu inszenieren und mich mit den Besuchern auszutauschen. 

Katalog / Dokumentation 

Diese Arbeit und Ausstellung muss dokumentiert werden, da dieser besondere Moment in der Geschichte, sowie seine Wirkung auf internationalen Künstlern, für die Zukunft festgehalten werden muss. Dies auf verschiedene Ebenen- Lokal: Wichtig, mich als ein BIPOC** in Kiels Topographie zu zementieren, um nicht flagrant predigend oder politisch, sondern einfach präsent. International: Der Hashtag hinzu, um das Konzept ‘Artistic Dress’ zu unterstützen. Personal: Der Künstler/Kreative schafft einen eigenen Raum, mit dem Gewand, das die Bedeutung der menschlichen Figur in bestimmten Arbeiten unterstützt und anerkennt.

* Das Wort ‘Créole’ bezieht sich primär auf eine Sprache, die in der Situation des Sprachkontakts aus mehreren Sprachen entstanden ist. Viele Kreolsprachen sind im Kontext der europäischen Kolonialisierung im 17. und 18. Jh und dem damit einhergehenden Sklavenhandelentstanden. (Tore Janson “Eine kurze Geschichte der Sprachen”(2003))

**Black, Indigenous and People of Color